Freitag, 28. Dezember 2007

Funkstille

Der Baum steht noch. Indes gibt es noch nichts zu berichten, was für eine Veröffentlichung reif wäre. Z.B. haben weder das Amt Röbel-Müritz noch das Umweltamt des Landkreises bisher auf meinen Widerspruch, bzw. den Antrag reagiert. Auf mehrmalige telefonische Nachfrage wurde mir aber mündlich versichert, daß man daran arbeite.

Sonntag, 23. Dezember 2007

Reifegrade

Minus acht Grad. Am Tage. Ich schnappe meinen Knipsomat und mache ein paar Fotos von der reifbedeckten Eiche:

Mittwoch, 19. Dezember 2007

Unterstützung

Der Nordkurier berichtet in seiner heutigen Ausgabe der Müritz-Zeitung über den aktuellen Stand der Dinge. Eine resolute Dame von 86 Jahren ruft mich daraufhin an und bestärkt mich, weiterzukämpfen. Das werde ich tun!

Sonntag, 16. Dezember 2007

Zaungast

Die Eiche ist großräumig durch einen Holzzaun abgesichert worden. Damit hat die Gemeinde ihrer Sicherungspflicht Genüge getan. Ich bitte die betroffenen winterharten Dauercamper hiermit um Verständnis für die Maßnahme.

Freitag, 14. Dezember 2007

Übergabe

Ich übergebe zwei Ausfertigungen des Gutachtens an den Bürgermeister, der ein Exemplar an das Umweltamt weiterleiten wird.

Donnerstag, 13. Dezember 2007

Post!

Ich erhalte das Gutachten von Dr. Schrödl. Der Baum ist “eingeschränkt verkehrssicher”; nach Entfernung der toten Äste aus der Krone aber “verkehrssicher”.

Dienstag, 11. Dezember 2007

Baumarchiv

Ich erhalte Nachricht vom Deutschen Baumarchiv Gießen. Dort wird unsere Eiche ebenfalls als “sehr erhaltenswert” eingestuft.

Montag, 10. Dezember 2007

Wendepunkt!

23:25 Uhr. Zufällige Widrigkeiten des Schicksals verhindern, daß ich das 2. Gutachten auf der Gemeinderatssitzung vorstellen kann. Dennoch: die Auswertung Dr. Schrödls und die durch meine  Bemühungen zusammengetragenen Fakten überzeugen alle davon, daß es Sinn hat, um den Baum zu kämpfen. Der Bürgermeister als eigentlicher Empfänger des Bescheids und damit Hauptverantwortlicher im drohenden Schadensfall entscheidet sich, Widerspruch gegen den Bescheid einzulegen. Damit steht die Gemeindevertretung wieder zusammen und ich bin absolut sicher, daß wir es schaffen, den Baum zu retten. Das Umweltamt hat die Eiche aus dem Denkmalskataster gestrichen und damit auch die Verantwortung abgegeben. Nun ist es wirklich  unser Baum und wir werden ihn erhalten, solange es sinnvoll ist! Wir stehen dazu!
Der Gutachter Dr. Schrödl überrascht mich mit der Nachricht, daß die Sachverständigenarbeitsgruppe Baumstatik ihr Jahrestreffen 2010 gern in Ludorf durchführen würde. Das bedeutet nicht weniger, als das die führenden Baumstatiker der Bundesrepublik unsere Stelzeneiche gemeinsam auf Standsicherheit untersuchen würden!

Gutachten zur Standsicherheit 2007

Hier auszugsweise das Wichtigste aus dem Gutachten von Dr. Schrödl vom November 2007:
Das Gutachten ist sechs Seiten lang und enthält zusätzlich einen Anhang aus Meßprotokollen, Fotos, Auswertungen und Erläuterungen mit 32 Seiten Umfang. Die Gliederung entspricht der des Gutachtens. Es folgen einige Zitate:

4. Methoden
  • Der Baum wurde nach der Methode zur Baumvermessung und -bewertung dendrometrisch vermessen, auf Defektsymptome angesprochen und untersucht ...
  • Im Anschluß wurde mittels Bohrwiderstandmessungen ... die Restwandstärke der drei Baumstelzen ermittelt.
  • Die Situation der Baumstelzen wurde mittels der Methode SIA (Statisch integrierte Abschätzung... ) statisch abgeschätzt.
  • Mittels eines Zugversuchs nach Wessolly wurde nach Westen und Osten die Standsicherheit (Inclinometer) und die Bruchsicherheit des Stammes (Elastometer) gemessen. Die gemessenen Werte wurden ... durch Dr.-Ing. Wessolly ausgewertet und die Sicherheitsbedingungen des Baumes berechnet. Dabei werden die gemessenen Werte bis Windstärke 12 (Orkan) hochgerechnet. ...
  • Die gemachten Untersuchungen lassen Schlußfolgerungen hinsichtlich Stand- und Bruchsicherheit zu und es werden Empfehlungen zur Baumpflege gegeben.
5. Ergebnisse

5.1. Dendrometrische Auswertungen und Baumzustand

  • ... Der Schlankheitsgrad von 13,59 signalisiert, daß der Baum schon immer im Freistand gestanden hat und sehr stabil dimensioniert ist.
  • Der Baum hat gute Standraumbedingungen ...
  • Demgegenüber ist die Krone überwiegend sehr gut beastet, man ist erstaunt über die gute Vitalität. Wir haben es weitgehend mit einem Übergang von der Exploration zur Degeneration nach Roloff 2001 zu tun.
  • Von Insekten wurde braunes Bohrmehl nach außen befördert, das in den Spinnweben gut sichtbar ist. Danach ist Braunfäule wahrscheinlich. Weder Hauptstamm noch die drei Stelzen klingen aber hohl (mit dem Gummihammer abgeklopft).
  • Durch die Öffnung geht der Wind, so daß beste Voraussetzungen für eine Trocknung gegeben sind. Das alte Holz kann sich unter diesen Bedingungen noch sehr lange halten.
  • Als Teilumfänge wurden die Bereiche an den Stelzen gemessen, die wieder voll beborkt sind. Über diese Bereiche erfolgt die Versorgung des Baumes aus den Wurzeln. ...
5.2. Bohrwiderstandsmessung
  • ... Man muß dabei sagen, daß an keiner Stelle eine Höhlung gemessen wurde. Das Holz ist aber im Inneren der Stelzen bis auf die angegebenen Restwandstärken abgebaut. ...
  • Danach ist an allen geprüften Stellen ausreichend gesundes Holz, wie es die SIA verlangt. ...
  • Danach betragen an der nach innen offenen Weststelze die Bruchsicherheit noch 592 % und an der Nordstelze noch 167 %.
5.3. Zugversuch
  • Aus der Dimension des Baumes, seinem Zustand und seiner Exposition ergibt sich die rechnerische Grundsicherheit, die mit 1325 % sehr hoch ist. 100 % liegen ca. bei Windstärke 12. Es hat sich eingebürgert, auf diese Sicherheit noch etwas zuzurechnen und man geht von 150 % Sicherheit für einen sicheren Baum aus. Bei der Bruchsicherheit des Stammes wurden Werte weit darüber ermittelt und in der grafischen Darstellung von Wessolly ist ein Abbau auf 557% als geringstem Wert erreicht.
  • Schwieriger zu messen war die Standsicherheit, da der Baum auf Stelzen steht und die Höhe des Kippunktes nicht eindeutig ist. Es wurde die dritte Messung als gültig dargestellt und eine Standsicherheit von knapp 150 % bestimmt. Damit ist der Baum sicher. Herr Dr. Wessolly empfiehlt eine Nachmessung in ca. 3 Jahren. Der erfolgte Abbau der Sicherheiten ist beträchtlich. Die Dynamik sollte deshalb mit der Nachmessung festgestellt werden.
5.4. Maßnahmen zur Pflege des Baumes
  • ... Entnehmen des Totholzes im Schwach- und Grobastbereich empfohlen.
  • Diese beiden (Balsampappeln im Norden) sollten entnommen werden.
  • (Windschutzanpflanzung im Westen)
  • Die Eiche sollte öfter (halbjährlich) durch einen Ortsansässigen kontrolliert werden. Dabei ist besonders auf Pilzfruchtkörper zu achten, um diese exakt bestimmen zu können.
  • In 3 Jahren sollte eine Nachmessung erfolgen. (Anmerkung TMegow: ist bereits anläßlich des Jahrestreffens 2010 der SAG Baumstatik angedacht)
  • Bei der Nutzung als Campingplatz muß der Wurzelschutzbereich (Kronentraufe plus 1,5 m) unbedingt akzeptiert werden. Es darf in diesem Bereich zu keiner Veränderung der momentanen Situation kommen.
5.5. Ausblick
  • Der Baum hat gute Voraussetzungen für ein weiterhin langes Leben. Bis zu 50 Jahren wird nach dem jetzigen Erkenntnisstand prognostiziert. Das Wachstum auf den als Stelzen umgebildeten Starkwurzeln ist sehr selten. Der Baum ist deshalb unbedingt naturschutzwürdig.
Erklärung
Die Begutachtung der Bäume wurde nach bestem Wissen und Gewissen objektiv und unparteiisch durchgeführt. Die Vermessung und  Begutachtung erfolgte nach dem Stand der Wissenschaft und Technik (ZTV-Baumpflege 2006).

gez.: Dr. rer. silv. G. Schrödl
Mitglied des Gehölzsachverständigenverbandes Brandenburg/Berlin e.V.
Mitglied der Sachverständigenarbeitsgruppe Baumstatik e.V. Stuttgart

Brodowin, den 10.12.2007

Samstag, 8. Dezember 2007

Der Baum ist sicher!

Im Briefkasten: Das Ergebnis des Zugversuchs: Der Baum ist stand- und bruchsicher! In der kommenden Woche erhalte ich das komplette Gutachten. Empfohlen wir die Wiederholung der Untersuchung in 3-4 Jahren.

Samstag, 1. Dezember 2007

Presse-Echo

Der Nordkurier veröffentlicht in der Regionalausgabe Müritz-Zeitung auf S. 21 einen redaktionellen Beitrag und einen zugehörigen Kommentar über diesen Fall.

Um Mißverständnisse, die sich aus dem Artikel ergeben könnten, zu vermeiden: Der Gemeinderat hat die Fällung mehrheitlich beauftragt. Der Widerruf gegen den Bescheid ist mein Alleingang. Zur Not werde ich das Gutachten allein bezahlen, aber ich habe schon einige Zusagen für finanzielle Unterstützung und freue mich über jeden, der sich engagieren will.